Rituale, Zeichen, Veränderungen

Ein Theaterstück des syrischen Autors Sadalah Wannus Umgesetzt vom TAK Ensemble und dem Jungen TAK

Deutsche Erstaufführung

Premiere 29.11.2013 | 20:00
im Theater Aufbau Kreuzberg

Das Stück

.. ich bin auf der Suche nach dem Unmöglichen in einem Land von Sklaven und Gefangenen.
Ich möchte niemanden besitzen. Unglücklicherweise gibt es um mich herum nur Mittelmäßigkeit und Vulgarität. Vielleicht habe ich meine Sehnsüchte nur falsch gedeutet. Aber ich werde nicht aufgeben, ich werde meinem Traum folgen. Ich möchte so sehr wie das Meer werden, ein unendliches, kristall-farbenes Meer.

Von ihrem Mann mit einer Prostituierten betrogen, will sich die gebildete Mu'mina an der verlogenen Männergesellschaft rächen, indem sie bei der Prostituierten selbst in die Lehre geht. So beschreibt Sadallah Wannus den Umbruch der rigiden, mittelalterlichen Damaszener Gesellschaft in Anlehnung  an eine Erzählung aus dem 19. Jahrhundert. In seinem Drama nimmt Wannus viel von der Dynamik heutiger Zustände vorweg.

Anhand des arabischen Textes von 1994 begibt sich das TAK Ensemble nun auf eine theatrale Erkundungstour über Macht und Frauenrechte zwischen Syrien und Moritzplatz. Die Regisseure Moritz Pankok und Abdelrahman El Sayaad setzen in der Inszenierung traditionellen arabischen Ausdrucksformen moderne Techniken des Ausdrucks gegenüber, die im arabischsprachigen Raum erst im Zuge der Revolution an Bedeutung gewonnen haben. Die Live-Musik von Dury Debagh ist mit dem Bühnengeschehen verwoben.

Du kannst mir nichts anhaben. Meine Geschichte wird in den Gärten des Gouta blühen, wenn die Regenzeit vorbei ist. Almasssa wird blühen und gedeihen. Geschichten… Geschichten

Der arabische Dramatiker Sadallah Wannus (1941-1997) setzte sich in seinem Heimatland Syrien für Freiheit, Reformen und nach dem 6-Tage Krieg 1967 für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Israel-Palästina- Konflikt ein. Das Theaterstück ist eines seiner letzten Werke, das er an Krebs erkrankt, noch im Krankenhaus verfasste. Er schreibt im Vorwort zu dem Text: „Der Ort Damaskus und die Zeit – die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – bilden lediglich den fiktiven Rahmen der Handlung. Es sollte unnötig sein, zu erwähnen, dass es mir aber darum geht, eine aktuelle Problematik zu hinterfragen.“ In Syrien, wo das Drama noch nie vollständig zu sehen war, unterliegt der Text noch immer der Zensur. 

Das Theaterprojekt des TAK e.V. ist Teil der Programmreihe Spring Lessons, die künstlerische Projekte aus dem Nahen Osten und ihre Hintergründe vorstellt und wurde gefördert durch die Berliner Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten, den Fonds Darstellende Künste e.V., die Theresia Zander Stiftung und das Goethe Institut Kairo.

--------------------------------------------------------

Regie Moritz Pankok & Abdelrahman El Sayaad
Theaterpädagogik Anna Koch & Nadya Graßmann
Bühne Moritz Pankok
Live-Musik Dury Debagh
Produktion Aurel Thurn
Regiemitarbeit Ariella Hirshfeld
Dramaturgische Beratung Aurel Thurn
Choreographie José Antonio Toimil
Technische Leitung Thomas Noll
Gestaltung Caram Kapp


Mit Christian Arndt Sanchez, Christian Arnold, Julius F. Brauer, Dury Debagh, Antonie Huff, Tara Jahan, Maria Kasibadze, Begüm Kavuncuoglu, Idil Kavuncuoglu, Paula D. Koch, Nastassja Kreft, Peter Marty, Apolonia Specht und José Antonio Toimil

Berliner Senatskanzlei
für Kulturelle Angelegenheiten